Die Bürstenmassage – ein Klassiker von Pfarrer Kneipp

 

Diese einfache Anwendung nach Kneipp bringt den Kreislauf in Schwung, stärkt das Immunsystem und verbessert die Hautstruktur. Wäre die Bürstenmassage dann nicht etwas für den einen oder anderen Ihrer Pflegekunden oder für Sie selbst?

 

Wer kennt sie nicht, die Anlaufschwierigkeiten am Morgen, Schlappheit und Lustlosigkeit, manche klagen über einen niedrigen Blutdruck. Dabei sind die Tage schon länger und der Start in den Tag sollte eigentlich leichter gelingen. In solchen Situationen hilft ein klassisches und einfaches Hausmittel: das sanfte Bürsten.

 

Die Wirkungen der Bürstenmassage sind sehr vielfältig

Die Bürstenmassage ist besonders bei niedrigem Blutdruck, morgendlicher Antriebsschwäche und Frühjahrsmüdigkeit geeignet. Durch das Streichen wird die Durchblutung der Haut verbessert, es fließt vermehrt Blut in den feinen Kapillaren der Haut. Etwaige Schad- oder Entzündungsstoffe werden leichter abtransportiert. Die Haut kann sich leichter regenerieren und bleibt elastisch. Wird die Haut vitalisiert, aktiviert das auch unsere Abwehrkräfte. Und nicht zuletzt kann das Bürsten eine Cellulite positiv beeinflussen.

 

Das Bürsten wirkt auch auf den Kreislauf allgemein, regt ihn an, weil tiefer liegende Gefäße aktiviert werden. Das wiederum wirkt ausgleichend auf den Blutdruck: Ein zu niedriger Blutdruck steigt ein wenig an, ein zu hoher Blutdruck zeigt nach einer Weile eine leicht sinkende Tendenz.

Die Bürstenmassage fördert auch den venösen und lymphatischen Fluss.

Im Bereich der Muskulatur lassen sich leichte Verspannungen lösen.

Über Nervenverbindungen, die von der Haut über das Rückenmark zu den inneren Organen reichen, kann die Anwendung die Leber, die Nieren und den Darm anregen. Das wiederum wirkt sich positiv auf den Stoffwechsel und die Ausscheidungsvorgänge aus. Durch Bürstenmassagen kann z.B. eine Obstipation verbessert oder beseitigt werden.

 

Bürsten: So einfach geht's

  • Da es sich um eine aktivierende Maßnahme handelt, wird die Bürstenmassage am Morgen durchgeführt, abends bringt es einen womöglich um den Schlaf.
  • Sie benötigen fünf bis zehn Minuten Zeit.
  • Wie bei vielen Maßnahmen aus dem naturheilkundlichen und alternativen Bereich gilt auch hier: Eine einmalige Bürstenmassage wird kaum eine Wirkung zeigen. Vielmehr ist die regelmäßige Anwendung zwei- bis dreimal pro Woche notwendig. Machen Sie am besten ein Ritual daraus. Legen Sie die Tage fest, an denen Sie eine Bürstenmassage durchführen wollen, und ritualisieren Sie auch den Ablauf.
  • Es gibt Bürsten mit und ohne Stiel, Handschuhe, Pads und geflochtene Bänder aus Fasern von Sisal (Agave) und Luffa (Kürbisgewächs), aber auch aus Rosshaar. Verwenden Sie keine Kunststoffborsten, weil die die Haut verletzen können. Wählen Sie zwischen weich, mittelhart und hart. Wichtig ist, dass die Bürstenmassage angenehm ist, deshalb ist wahrscheinlich zu Anfang eine weiche Bürste die richtige.
  • Lüften Sie vor der Anwendung das Zimmer. Im Sommer ist die Anwendung bei offenem Fenster besonders anregend.
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  • Beginnen Sie herzentfernt, also außen am rechten Fuß. Führen Sie von dort die Bürste mit kreisenden oder streichenden Bewegungen an der Außenseite des Beins nach oben. Bürsten Sie dann auf der Innenseite des Beins nach unten. Bürsten Sie nun über den Fußrücken die Vorderseite des Beins nach oben und an der Hinterseite des Beins nach unten zur Ferse. Sie können den Druck beim Hochwärtsbürsten etwas verstärken.
  • Bürsten Sie nun das linke Bein nach demselben Schema.
  • Kreisen Sie nun über die rechte, dann die linke Gesäßhälfte.
  • Bürsten Sie nun den rechten Arm: Beginnen Sie mit den kreisenden oder streichenden Bewegungen an der Handinnenfläche und bürsten Sie an der Innenseite nach oben bis zu den Schultern und an der Außenseite des Arms wieder nach unten zur Handaußenfläche.
  • Bürsten Sie den linken Arm nach demselben Schema.
  • Umkreisen Sie die Brust in Form einer liegenden Acht.
  • Bürsten Sie den Bauch kreisförmig entsprechend dem Dickdarmverlauf: im Uhrzeigersinn von rechts unten beginnend nach links unten.
  • Bürsten Sie zum Schluss den Rücken.

 

Es ist sinnvoll, nach dem Bürsten zu duschen, um losgelöste Hautpartikel wegzuspülen. Alternativ kann man die Bürstenmassage auch unter der Dusche durchführen. Mit gezielt ausgewählten Duschgels lässt sich die Wirkung der Bürstenmassage noch zusätzlich unterstützen: Rosmarin belebt den Kreislauf, Heublume regt den Stoffwechsel an, Wacholder lockert die Muskulatur.

Eincremen der Haut nach dem Bürsten und Duschen ist besonders wirkungsvoll, da die Hautporen geöffnet sind und abgestorbene Hautschuppen entfernt wurden.

 

Für diese Menschen ist die Bürstenmassage nicht geeignet

  • hektische und nervöse Menschen
  • Menschen mit großflächigen Hauterkrankungen wie Akne, Neurodermitis, Geschwüren oder einer Pergamenthaut; hier besteht die Gefahr von Verletzungen und Infektionen
  • stark behaarte Menschen, da das Rupfen an den Körperhaaren zu Haarbalgentzündungen führen kann
  • frische Narben sind auszusparen
  • Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen oder Krampfadern sollten vorher mit ihrem Arzt sprechen

 

Christine Keller

 

Foto: 123rf stockfoto